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956 Artikelaufrufe 29. Januar 2016

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eCommerce

Wollen wir wirklich den digitalen Einzelhandel?

Im Juli 2011 bereits war es auf „Zeit online“ zu lesen und zu bestaunen: Ein britischer Lebensmittelkonzern brachte die digitale und reale Welt zum Verschmelzen, indem er in Südkoreas Hauptstadt Seoul lebensgroße Fotos von Supermarktregalen an die Wände des Bahnhofs geklebt hat. Die jeweiligen Bilder der Lebensmittel waren mit Scanner-Codes versehen, so dass die vorbeigehenden Menschen einfach per Handy und einer QR-Code-App die gewünschten Waren bestellen und zu sich nach Hause anliefern lassen konnten.

Ist das nicht toll? Statt an der Supermarktkasse Schlange zu stehen, Slalom um „wild geparkte“ Einkaufswagen zu fahren oder sich zu ärgern, dass ausgerechnet das gewünschte Produkt gerade jetzt nicht im Regal liegt, hält man einfach sein Smartphone an ein Foto und bezahlt dann auch direkt ganz unkompliziert per App. Und abends klingelt es an der Tür und die Ware ist im Haus. Schöne neue Welt. Oder?

Nun ja, es ist dabei wichtig zu wissen, dass die Menschen in Südkorea weitaus weniger Freizeit haben als wir hier in Mitteleuropa und dass die Asiaten deutlich technik-affiner sind, so dass wir höchstwahrscheinlich solch einen digitalen Extremfall bei uns nicht so schnell erleben werden, aber was kann auf uns zukommen und wie können SIE damit umgehen, wie können SIE agieren?

Auch wenn der Blick in die Zukunft Kaffeesatzleserei ist, so können wir doch davon ausgehen, dass die digitale und die reale/menschliche Welt weiter zusammenwachsen werden, das dürfte jedem, der sich mit diesem Thema auseinandersetzt, klar sein. Eine weitere Tatsache in unseren Breitengeraden ist, dass sich der moderne Kunde im Jahre 2015 in beiden Welten bewegt, dass es schon jetzt Produkte gibt, die immer öfter fast ausschließlich online bezogen werden und dass es immer Produkte geben wird, die fast ausschließlich vor Ort in einem richtigen Geschäft bei richtigen Menschen gekauft werden.

Es wird in naher bis mittlerer Zukunft Menschen geben, die, um das Eingangsbeispiel noch einmal aufzugreifen, gerne mit ihrem Smartphone vor solch einer virtuellen Produktwand stehen werden und es wird einen Großteil geben, der den Duft von frischen Mandarinen oder Orangen zu schätzen weiß und vor Ort beim Einzelhändler seine Lebensmittel einkaufen wird. Die Markentreue wird sich, wenn der Trend der letzten Jahre sich fortsetzt, immer mehr zurückbilden, es wird in naher Zukunft vielmehr um sehr guten Service, um wirkliche Kundenorientierung, um einfache und Zeit sparende Kaufprozesse und vor allen Dingen um Vertrauen gehen:

Je schneller sich die Welt im übertragenen Sinne dreht (gemeint ist die rasante technische Entwicklung der letzten zwanzig Jahre), umso mehr Sicherheit braucht der Kunde, er sehnt sich nach Menschen und Marken, denen er bedingungslos vertrauen kann.

So gelingt der Vertrieb im digitalen Zeitalter

Und hier kommen Sie wieder ins Spiel; ob Sie nun Verkäufer im Einzelhandel oder im Außendienst sind oder ob Sie Geschäftsführer eines Unternehmens jedweder Art sind, es wird zukünftig hauptsächlich auf folgende Kernpunkte ankommen:

  • Flexibel anpassen an die neue „Mischwelt“ aus digitalen und analogen Komponenten.
  • Es werden nur die Unternehmen an der Entwicklung teilhaben, die sich ihr öffnen und nicht darauf hoffen, dass die Erfindung des Rads wieder zurückgenommen wird.
  • Im Online-Bereich (Shops etc.) eine sichere, einfache und vertrauenserweckende Kaufprozedur aufsetzen.
    Da der Kunde einer Internetseite nicht tief in die Augen schauen kann, zieht er sein Vertrauen oder sein Misstrauen aus eben diesen Faktoren: Beim kleinsten Zweifel an der Glaubwürdigkeit des ihm unbekannten Unternehmens wird er zum „Warenkorb-Abbrecher“. Dieser Begriff dürfte bald die Popularität von „Stornoquote“ erreichen.
  • Im analogen Bereich (Einzelhandel oder auch Außendienst) den Kunden als Menschen wahrnehmen und glaubwürdig und verbindlich handeln.

Es wird auf die Verkäufer, es wird auf SIE ankommen: Auf Ihr Fachwissen, Ihre Fähigkeit im Umgang mit Menschen, Ihre Lust am Verkaufen, ob die Kunden weiterhin bei Ihnen kaufen und Ihnen nach wie vor vertrauen.

Die Zukunft des Verkaufens wird spannend werden, gehen Sie mit Freude und Tatendrang an Ihr Werk, dann werden auch Sie davon profitieren.

Wollen wir wirklich den digitalen Einzelhandel?
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Über den Autor

Lars Schäfer ist Speaker und Trainer und gilt als führender Experte zum Thema “Emotionales Verkaufen”. Seit 2004 ist er selbständiger Verkaufstrainer und gefragter Redner mit den Spezialthemen “Emotionales Verkaufen” und „Vertrauen im Verkauf“. Seine Trainings zeichnen sich durch einen ausgeprägten Motivationsfaktor, Humor und hohe Praxisorientierung aus. Lars Schäfer ist Mitglied der German Speakers Association – GSA.

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